Pausen und Ruhetage: Warum Erholung zum Training gehört
Der Körper deines Pferdes baut nicht während der Arbeit auf, sondern danach.
Mehr Training, mehr Fortschritt? Ganz so einfach ist es nicht. Wer Pausen streicht, riskiert Überlastung und Verletzungen. Und wer zu lange pausiert, verliert, was er aufgebaut hat. Es geht also um das richtige Maß.
Anpassung passiert in der Erholung. Zu schnelle Steigerung und zu kurze Pausen zwischen intensiven Einheiten erhöhen das Verletzungsrisiko. Fitness hält sich einige Wochen, nach etwa drei Monaten Pause sind die meisten Muskelanpassungen zurückgebildet. Auch innerhalb jeder Einheit gehören Pausen am langen Zügel dazu.
Erholung ist Teil des Trainings
Intensive Belastung bringt das Gleichgewicht im Körper durcheinander. In der Erholung wird repariert und angepasst, erst danach ist das Pferd leistungsfähiger als vorher. Niederländische Forscherinnen beschreiben das so: Wer immer wieder zu wenig Erholung einplant, riskiert Überforderung bis hin zum Übertraining 1.
Wie schnell das geht, zeigte ihre Studie an jungen Friesenhengsten. Bei einer zu schnellen Laststeigerung stiegen Herzfrequenz und Laktat bei gleicher Arbeit an, ein Zeichen für Überforderung. Nur vier von 16 Hengsten beendeten den Test, fünf schieden verletzt aus 1.
Training setzt den Reiz, die Pause macht daraus Fortschritt.
Zu schnell, zu oft, zu einförmig
Eine Auswertung von 272 Dressurpferden mit orthopädischen Problemen kommt zu einem ähnlichen Schluss. Die Autorinnen nennen eine zu schnelle Steigerung und wiederholtes Training ohne ausreichende Zeit für die Anpassung von Knochen, Sehnen und Muskeln als Risiko. Auch die Erholung zwischen intensiven Einheiten sei oft zu kurz. Am häufigsten waren Hufschmerzen und Entzündungen am Ursprung des Fesselträgers 2.
Die Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Tierschutz im Pferdesport sagen dasselbe in klaren Worten: Arbeits- und Entspannungsphasen sollen sinnvoll abwechseln, Erholungs- und Ruhephasen sind sicherzustellen. Überlastung entsteht „durch zu häufiges, zu intensives und/oder zu einförmiges Training“. Außerdem ist „täglich mehrstündige freie Bewegung“ sicherzustellen 6.
Pausen in jeder Einheit
Erholung beginnt nicht erst am Ruhetag. Auch innerhalb einer Reitstunde sind Pausen wichtig. Die FN schreibt: „Mittlerweile ist bekannt, dass sich in Pausen das Gelernte festigt.“ Dabei sollst du den Zügel hingeben. Und: „Monotonie ist nachweislich ungesund.“ 7
Das Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen hat dabei einen doppelten Nutzen. Es „fördert die Dehnungsbereitschaft und verhindert Verspannung“ 8. Eine gute Faustregel für den Alltag: Nach jeder anstrengenden Sequenz eine kurze Schrittpause am langen Zügel.
Wie schnell Fitness verloren geht
Pausen müssen manchmal länger sein: wegen Krankheit, Urlaub oder Wetter. Wie schnell dann Fitness verloren geht, hängt von der Dauer ab.
- Nach sechs Wochen Pause fand eine Studie bei Trabern noch keine Rückbildung der Muskelanpassungen 3.
- Bei Vollblütern näherten sich Sauerstoffaufnahme und Laktatschwelle nach sechs Wochen Pause wieder dem Ausgangswert an 5.
- Nach drei Monaten Pause hatten sich bei Andalusiern die meisten Muskelanpassungen zurückgebildet 4.
Die Studienlage zur Ausdauer ist also nicht einheitlich, die Muskulatur hält sich etwas länger. Für den Wiedereinstieg heißt das: Nach mehr als ein paar Wochen Pause nicht dort weitermachen, wo du aufgehört hast, sondern in Wochenschritten wieder aufbauen.
Praxisteil: eine ausgewogene Trainingswoche
Die Beispielwoche gilt für ein gesundes, eingerittenes Freizeit- oder Sportpferd. Passe sie an Alter, Ausbildungsstand und Gesundheit an.
| Tag | Training | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Montag | Ruhetag | freie Bewegung auf Koppel oder Paddock |
| Dienstag | intensiv | Dressurarbeit mit Übergängen, Pausen am langen Zügel |
| Mittwoch | locker | Longe oder Stangen im Schritt und Trab |
| Donnerstag | Gelände | Ausritt mit Steigungen, überwiegend Schritt und Trab |
| Freitag | intensiv | Springgymnastik oder versammelnde Arbeit |
| Samstag | locker | Arbeit an der Hand oder kurze lockernde Einheit |
| Sonntag | Gelände | ruhiger Ausritt |
Nie zwei intensive Tage hintereinander. Jede Einheit beginnt mit ausreichend Schritt und endet locker.
Wiedereinstieg nach einer Pause: Woche 1 überwiegend Schritt, Woche 2 Trab dazu, Woche 3 kurze Galoppreprisen, danach schrittweise zur gewohnten Arbeit. Nach Krankheit oder Verletzung gilt der Plan der Tierärztin.
Wann du dir Hilfe holst
- Dein Pferd lahmt, geht klamm oder ist nach der Arbeit auffällig steif: tierärztlich abklären lassen.
- Es wird lustlos, schwitzt schneller als sonst oder erholt sich nach der Arbeit schlechter.
- Nach Krankheit oder Verletzung: Laut BMLEH-Leitlinien darf ein Pferd bis zur Gesundung nur nach tierärztlicher Anweisung eingesetzt werden 6.
Quellen
- Siegers E, van Wijk E, van den Broek J, Sloet van Oldruitenborgh-Oosterbaan M, Munsters C (2023): Longitudinal Training and Workload Assessment in Young Friesian Stallions in Relation to Fitness: Part 1. Animals 13(4), 689.
- Boado A, Pollard D, Lopez-Sanroman FJ, Dyson S (2025): Orthopaedic Injuries in 272 Dressage Horses: A Retrospective Study. Animals 15(20), 2972.
- Tyler CM, Golland LC, Evans DL, Hodgson DR, Rose RJ (1998): Skeletal muscle adaptations to prolonged training, overtraining and detraining in horses. Pflügers Archiv 436, 391–397.
- Serrano AL, Quiroz-Rothe E, Rivero JLL (2000): Early and long-term changes of equine skeletal muscle in response to endurance training and detraining. Pflügers Archiv 441, 263–274.
- Imaoka Y et al. (2014): Training and Detraining Effects on Satellite Cell Response after Exhaustive Exercise in Thoroughbred Horses. Japanese Journal of Physical Fitness and Sports Medicine 63(1), 177–187.
- BMEL (2020, heute BMLEH): Tierschutz im Pferdesport. Leitlinien zu Umgang mit und Nutzung von Pferden unter Tierschutzgesichtspunkten, S. 14, 18, 19, 22 f.
- FN, Pferd & Mensch 03/2024: 10 Tipps für pferdegerechtes Reiten.
- FN: Die Skala der Ausbildung: Losgelassenheit.
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