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Wohlbefinden im Alter: Was ältere Pferde wirklich brauchen

Viele Senioren sind fit und fröhlich. Damit das so bleibt, lohnt ein genauerer Blick als früher.

Redaktion pferde·news
22. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Älteres Pferd mit grau meliertem Fell und langer Mähne auf dem Paddock
Graue Haare an Augen und Stirn sind oft das erste sichtbare Zeichen. Die wichtigeren Veränderungen sieht man nicht auf den ersten Blick.

Viele Pferde sind mit 25 noch fit, neugierig und gut zu reiten. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Halterinnen und Halter bei älteren Pferden vieles schlicht nicht bemerken. Hier liest du, worauf es ab etwa 15 Jahren ankommt und wie du Veränderungen früh erkennst.

Kurz gesagt

Ab etwa 15 Jahren gilt ein Pferd in der Forschung als Senior. Drei von vier älteren Pferden zeigen mindestens ein Krankheitszeichen, fast alle haben Zahnbefunde. Ein jährlicher Senioren-Check, eine monatliche Gewichts- und Fellkontrolle, gut kaubares Raufutter und viel Bewegung sind die wichtigsten Stellschrauben.

Ab wann ist ein Pferd alt?

In der Forschung gilt ein Pferd ab 15 Jahren als älter, ab 30 als sehr alt. Halterinnen und Halter empfanden ihr eigenes Pferd im Mittel erst ab 22 Jahren als alt 1. Zwischen dem, was Studien als Alter definieren, und dem, was wir im Stall wahrnehmen, liegen also gut sieben Jahre.

Das ist keine Kleinigkeit. In Großbritannien ist etwa ein Viertel aller Pferde 15 Jahre oder älter 4. Senioren sind keine Randgruppe, sondern ein großer Teil der Pferde in unseren Ställen.

Was Halterinnen häufig übersehen

In einer britischen Umfrage zeigten 77 Prozent der Pferde ab 15 Jahren mindestens ein Krankheitszeichen 5. Noch deutlicher wird es, wenn Tierärzte genau hinschauen: Bei der Untersuchung von 200 Senioren hatten 95 Prozent Zahnbefunde, 80 Prozent Hufbefunde, und gut die Hälfte lahmte im Trab 1. Die Halter hatten nur bei rund einem Drittel der Pferde überhaupt ein Problem gemeldet 1.

Was langsam kommt, fällt im Alltag kaum auf.

Das liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit. Veränderungen im Alter kommen schleichend. Wer sein Pferd jeden Tag sieht, gewöhnt sich an ein etwas dünneres Fell, eine weniger runde Oberlinie oder einen kürzeren Schritt. Deshalb helfen feste Routinen mehr als das Bauchgefühl.

Zähne: der häufigste Befund

Bei älteren Pferden sind Lücken zwischen den Backenzähnen, Zahnverlust und starker Abrieb besonders häufig 1, 4. In den Untersuchungen aus Großbritannien und Australien hatten 95 bzw. 96 Prozent der Senioren Zahnbefunde 1, 4. Futter, das in solchen Lücken hängen bleibt, Heuwickel in der Box oder langsameres Fressen sind typische Hinweise.

Fachleute empfehlen bei älteren Pferden ein bis zwei Zahnkontrollen im Jahr 6.

Hand an Maul und Trense eines Fuchses
Bei fast allen Senioren findet die Tierärztin etwas an den Zähnen. Ein bis zwei Kontrollen im Jahr sind sinnvoll.

Fell, Muskeln und Stoffwechsel

Mit dem Alter nimmt auch die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse zu, in der Fachsprache PPID, oft „Cushing“ genannt. Bei Pferden ab 15 Jahren fanden Tierärzte in Australien bei 21 Prozent entsprechende Anzeichen. Die Halter selbst nannten die Erkrankung nur bei 1,6 Prozent 2. Der wichtigste bekannte Risikofaktor ist das Alter selbst 2.

Auf diese Anzeichen solltest du achten 2, 3:

Siehst du eines davon, lass es tierärztlich abklären. Die Diagnose stellt die Tierärztin über einen Bluttest, bei dem die Jahreszeit berücksichtigt wird 3.

Und noch etwas überrascht viele: Senioren sind häufiger zu dick als zu dünn. In der britischen Erhebung waren über 25 Prozent übergewichtig und nur 4,5 Prozent in schlechtem Ernährungszustand 4. Das dünne alte Pferd ist also nicht die Regel.

Fütterung, wenn das Kauen schwerer fällt

Raufutter bleibt auch im Alter die Basis. Wird Langheu wegen der Zähne zum Problem, können eingeweichte Heucobs oder Heupellets einen Teil oder das ganze Heu ersetzen. Kleinere Partikel lassen sich leichter kauen. Eingeweichte Rübenschnitzel liefern zusätzlich gut verdauliche Faser, und Kraftfutter sollte gut angefeuchtet werden 6.

Auf der Weide können auch Pferde mit Zahnproblemen einen großen Teil ihres Bedarfs decken, wenn das Gras nicht zu kurz ist 4. Wichtig ist, das Gewicht im Blick zu behalten, und zwar in beide Richtungen.

Bewegung und Auslauf

Pferde, die nicht mehr regelmäßig geritten werden, brauchen viel freien Auslauf, um Muskeln und Kondition zu halten 6. Ein Senior, der nur noch in der Box steht, verliert schneller Muskulatur. Leichte Arbeit an der Hand, Spaziergänge oder gemächliche Ausritte halten Kopf und Körper in Bewegung, solange das Pferd gesund ist.

Der jährliche Senioren-Check

Fachleute empfehlen für ältere Pferde einen jährlichen Gesundheitscheck bei der Tierärztin mit einem gemeinsamen Vorsorgeplan 1. Dazu gehören Zähne, Hufe, Gang, Gewicht und je nach Befund ein Blutbild. Zu Hause ergänzt du das mit einer monatlichen Gewichtskontrolle 4, zum Beispiel per Maßband und Foto.

Checkliste: Geht es deinem Senior gut?

Wann zum Tierarzt?

Quellen

  1. McGowan C (2011): Welfare of Aged Horses. Animals 1(4), 366–376.
  2. McGowan CM, Ireland JL (2018): Epidemiology of pituitary pars intermedia dysfunction: A systematic literature review. The Veterinary Journal 235, 22–33.
  3. Secombe CJ et al. (2018): Equine pituitary pars intermedia dysfunction: current understanding and recommendations from the Australian and New Zealand Equine Endocrine Group. Australian Veterinary Journal.
  4. Menzies-Gow N (2019): Caring for geriatric equids. Vet Times.
  5. Ireland JL et al.: Equine Geriatric Health and Welfare. SVEPM, University of Liverpool.
  6. Duberstein KJ (2024): Caring for the Older Horse: Common Problems and Solutions. UGA Extension Bulletin 1368.

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