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Zickige Stute? Rosse, Zyklus und was wirklich dahintersteckt

Warum „die ist halt rossig“ oft nicht die ganze Antwort ist.

Redaktion pferde·news
22. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Stuten mit Fohlen auf einem sandigen Paddock
Stuten gelten schnell als launisch. Dabei steckt hinter schwierigem Verhalten oft etwas anderes als der Zyklus.

„Die ist halt rossig“: Kaum ein Satz fällt im Stall so oft. Manchmal stimmt er. Oft aber nicht. Eine große Auswertung zeigt, dass hinter schwierigem Stutenverhalten nur selten die Eierstöcke stecken.

Kurz gesagt

Stuten haben in der hellen Jahreszeit etwa alle 21 Tage einen Zyklus, die Rosse dauert je nach Zeitpunkt im Jahr etwa 2 bis 8 Tage. Rossetypisches Verhalten ist normal. Aggression oder Widersetzlichkeit hängen aber meist nicht mit den Hormonen zusammen. Prüfe zuerst Schmerz, Sattel und Reiten und führe ein Zyklus-Tagebuch.

Der Zyklus: kurz erklärt

Die meisten Stuten sind saisonal: Sie zyklieren nur, wenn die Tage lang sind. In der dunklen Jahreszeit ruhen die Eierstöcke, es reifen keine großen Follikel heran und es gibt keinen Eisprung 1. Diese Winterruhe ist normal und kein Zeichen für ein Problem.

In der hellen Jahreszeit dauert ein Zyklus etwa 21 Tage. Davon fällt ein Teil auf die Rosse, also die Phase, in der die Stute paarungsbereit ist. Sie dauert laut Fachliteratur 2 bis 8 Tage: früh im Jahr eher länger, um die Sommersonnenwende oft nur 2 bis 3 Tage 1. Im Übergang vom Winter in die Zuchtsaison kommen mehrere lange Rossen von 7 bis 14 Tagen vor, oft ohne Eisprung 1. Wer im Frühjahr das Gefühl hat, die Stute sei „ewig rossig“, liegt also nicht unbedingt falsch.

Der Zyklus der Stute

ca. 21Tage pro ZyklusRosseetwa 2 bis 8 Tagefrüh im Jahr eher längerZwischenrosseRest des ZyklusIM JAHRZyklus nur in der hellen Jahreszeit.Im Winter ruhen die Eierstöcke meist.Im Übergang: lange Rossenvon 7 bis 14 Tagen möglich.
Etwa alle 21 Tage beginnt ein neuer Zyklus, aber nur in der hellen Jahreszeit.

So sieht Rosseverhalten aus

In Anwesenheit eines Hengstes zeigt eine rossige Stute typische Signale: Sie hebt den Schweif, stellt die Hinterbeine breit, setzt Harn ab und öffnet die Schamlippen, im Stall „Blitzen“ genannt 1. In der Zwischenrosse ist es umgekehrt. Dann quietscht, schlägt und beißt sie und weist den Hengst ab 1.

Auch messbar verändert sich etwas. Bei 15 Warmblutstuten waren Herzfrequenz und Körpertemperatur in der Rosse höher. Die Stuten standen mehr, bewegten sich weniger und verhielten sich gegenüber Artgenossen sogar weniger negativ 2. Das ist ein interessanter Punkt: Die Rosse macht eine Stute nicht automatisch „zickiger“.

Was Studien zur „Problemstute“ zeigen

In einer schwedischen Studie wurden zwölf Stuten in der Rosse und in der Zwischenrosse getestet. Sie trafen auf einen unbekannten Gegenstand und wurden kurz von der Gruppe getrennt. Weder das Zyklusstadium noch die Einstufung als „Problemstute“ veränderte, wie die Stuten reagierten 3.

Noch deutlicher ist eine große Auswertung aus Kalifornien. Dort wurden 2.914 Hormonprofile von Stuten untersucht, die wegen Verhaltensproblemen eingeschickt worden waren. Bei 86 Prozent fand sich kein Hinweis auf einen Eierstocktumor. Nur hengstähnliches Verhalten hing deutlich mit auffälligen Hormonwerten zusammen. Aggression, Rosseverhalten und anderes Problemverhalten hingen sogar seltener damit zusammen 4. Die Autoren nennen es eine verbreitete Fehlannahme, dass die Eierstöcke hinter unerwünschtem Verhalten stecken.

Die Hormone sind seltener schuld, als viele glauben.

Wenn es nicht nur die Rosse ist

Bevor jemand den Eierstöcken die Schuld gibt, sollten andere Ursachen ausgeschlossen werden. Die Fachliteratur nennt vor allem drei Bereiche 5:

Zur Abklärung gehören eine genaue Vorgeschichte, die Untersuchung durch die Tierärztin und bei Bedarf Hormontest und Ultraschall 5. Wichtig für dich: Je besser du beschreiben kannst, wann und wie oft das Verhalten auftritt, desto gezielter kann sie suchen.

Das Zyklus-Tagebuch

Ein einfaches Tagebuch hilft, Muster zu erkennen. Notiere über mindestens zwei bis drei Zyklen:

Zeigt sich das Verhalten nur in den Rossetagen, spricht das für einen Zyklusbezug. Tritt es unabhängig davon auf, liegt die Ursache wahrscheinlich woanders. Dieser Bezug zu Zyklus, Häufigkeit und Stärke ist auch für die Tierärztin die wichtigste Grundlage 5. Das Tagebuch selbst ist eine Praxisempfehlung, keine eigene Studie.

Training an schwierigen Tagen

Wenn sich zeigt, dass deine Stute in der Rosse sensibler ist, hilft ein angepasster Plan. Lege anspruchsvolle Lektionen auf andere Tage, reite mehr locker vorwärts oder im Gelände und achte beim Satteln besonders auf Druckstellen. Bleibe im Timing klar und fair: Das Pferd lernt aus dem, was unmittelbar nach seinem Verhalten passiert 6.

Checkliste: Rosse oder etwas anderes?

Wann zum Tierarzt?

Quellen

  1. Sertich PL: The Reproductive Cycle of Horses. Merck Veterinary Manual.
  2. Stachurska A et al. (2023): Variation of Physiological and Behavioural Parameters during the Oestrous Cycle in Mares. Animals 13(2), 211.
  3. Hedberg Alm Y et al. (2005): Effect of oestrous-cycle stage on the response of mares in a novel object test and isolation test. Reproduction in Domestic Animals 40(5), 480–488.
  4. Huggins L, Norris J, Conley A, Dini P (2024): Abnormal mare behaviour is rarely associated with changes in hormonal markers of granulosa cell tumours. Equine Veterinary Journal.
  5. Straticò P et al. (2023): Behavioral Disorders in Mares with Ovarian Disorders. Veterinary Sciences 10(8), 483.
  6. International Society for Equitation Science: ISES Training Principles.

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