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RATGEBER · FÜTTERUNG

Wie viel Heu braucht ein Pferd?

Die Faustregel, ein Rechenbeispiel – und warum lange Fresspausen dem Magen schaden.

Redaktion pferde·news
22. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Braunes Pferd mit heller Mähne frisst Heu in der Box
Heu ist für Pferde weit mehr als Sättigung: Es hält sie über viele Stunden am Tag beschäftigt.

Heu ist für die meisten Pferde das wichtigste Futter überhaupt. Trotzdem wird es oft nach Gefühl verteilt: ein Netz hier, eine Gabel da. Dabei lässt sich ziemlich genau ausrechnen, wie viel dein Pferd mindestens braucht.

Kurz gesagt

Ein gesundes, erwachsenes Pferd braucht täglich mindestens 1,5 kg Trockenmasse aus Raufutter je 100 kg Körpergewicht. Bei normalem Heu sind das rund 1,7 bis 1,8 kg je 100 kg – für ein 600-kg-Pferd gut 10 kg am Tag. Genauso wichtig: Fresspausen sollten nicht länger als vier Stunden dauern.

Warum Heu die Basis jeder Ration ist

Pferde sind Dauerfresser. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie etwa 10 bis 15 Stunden am Tag mit der Futteraufnahme 1. Ihr Verdauungssystem ist genau darauf eingestellt: ein vergleichsweise kleiner Magen, der laufend kleine Portionen erwartet, und ein großer Dickdarm, in dem Mikroben die Faser aus Gras und Heu aufschließen.

Raufutter hat dabei mehrere Aufgaben. Es stillt das Kaubedürfnis, beschäftigt das Pferd und sorgt für Speichel, der die Magensäure puffert 2. Kraftfutter kann Energie liefern – diese Aufgaben übernimmt es nicht.

Kraftfutter kann Heu ergänzen, aber nie ersetzen.

Die Mindestmenge: 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg

Ein internationales Team von Fütterungswissenschaftlerinnen hat 2017 den Forschungsstand zum Raufutter zusammengefasst. Die Empfehlung: Gesunde Pferde mit Idealgewicht sollten mindestens 1,5 kg Trockenmasse aus Raufutter je 100 kg Körpergewicht pro Tag bekommen, am besten zur freien Aufnahme 1, 3. Selbst Pferde im intensiven Sport sollten nicht unter 1,25 kg je 100 kg fallen 3. Zum Vergleich: Insgesamt nimmt ein Pferd im Erhaltungsbedarf etwa 2 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht auf 4.

Trockenmasse ist das Futter ohne Wasser. Heu besteht zu rund 86 Prozent aus Trockenmasse, deshalb brauchst du etwas mehr Heu, als die Zahl vermuten lässt. Die Hochschule Osnabrück rechnet entsprechend mit etwa 1,7 kg Heu je 100 kg Körpermasse 2.

Rechenbeispiel: Dein Pferd wiegt 550 kg. 5,5 × 1,5 kg = 8,25 kg Trockenmasse. Geteilt durch 0,86 ergibt das knapp 9,6 kg Heu am Tag.

Bei Heulage sieht die Rechnung anders aus. Sie enthält mehr Wasser, deshalb sind für dieselbe Trockenmasse deutlich mehr Kilo nötig. Hier hilft eine Futteranalyse.

So viel Heu braucht dein Pferd mindestens

KÖRPERGEWICHTHEU PRO TAG, MINDESTENS300 kgPony · 4,5 kg Trockenmasse5,2 kg400 kg6,0 kg Trockenmasse7,0 kg500 kg7,5 kg Trockenmasse8,7 kg600 kg9,0 kg Trockenmasse10,5 kg700 kg10,5 kg Trockenmasse12,2 kgGesundes, erwachsenes Pferd · 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg · Heu mit 86 % Trockenmasse
Die Mindestmenge richtet sich nach dem Körpergewicht. Bei freiem Zugang fressen viele Pferde mehr.

Fresspausen: nicht länger als vier Stunden

Neben der Menge zählt die Verteilung über den Tag. Nach den Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Pferdehaltung sollen Pferde täglich mindestens zwölf Stunden Zugang zu Raufutter haben; Fresspausen über vier Stunden sind zu vermeiden 5.

Der Grund liegt im Magen. Fehlt das Futter, fehlt auch der puffernde Speichel. In einer dänischen Studie mit 201 Pferden, die nicht im Rennsport trainiert wurden, hatte gut die Hälfte klinisch relevante Veränderungen der Magenschleimhaut. Ein höheres Risiko zeigte sich unter anderem, wenn Stroh das einzige Raufutter war und auf dem Paddock kein Wasser bereitstand 6. Auch das europäische Fachkollegium für Pferde-Innere Medizin zählt Futterentzug und eingeschränkten Raufutterzugang zu den Risikofaktoren 7.

Der häufigste Engpass ist die Nacht. Wer um 18 Uhr das letzte Heu gibt und um 7 Uhr das erste, hat 13 Stunden zu überbrücken – und das gelingt nur, wenn die Abendportion lange genug reicht.

So bringst du das Heu über den Tag

Und wenn mein Pferd zu dick ist?

Gerade bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys wird oft am Heu gespart. Die Mindestmenge ist aber eine Untergrenze für den Verdauungstrakt, kein Spielraum für die Diät. Besser sind Heu mit geringerem Energiegehalt (eine Analyse zeigt ihn), engmaschige Netze und mehr Bewegung. Wie weit sich die Ration bei Übergewicht senken lässt, besprichst du am besten mit deiner Tierärztin oder einer unabhängigen Fütterungsberatung.

Qualität: Mehr Heu hilft nur, wenn es gutes Heu ist

Die beste Menge nützt wenig, wenn das Heu staubt oder schimmelt. Prüfe jede Lieferung mit Nase, Augen und Händen: Gutes Heu riecht aromatisch, ist grünlich bis hellbraun, fühlt sich nicht klamm an und staubt beim Aufschütteln kaum. Muffiger Geruch, graue oder weiße Stellen, Erde und Giftpflanzen sind Ausschlussgründe 1. Wie viel Zucker, Eiweiß und Energie dein Heu tatsächlich enthält, zeigt nur eine Heuanalyse.

Hand greift in einen Heuballen
Gutes Heu riecht aromatisch, ist grünlich bis hellbraun und staubt kaum.

Checkliste: Stimmt die Heuration?

Quellen

  1. Harris PA, Ellis AD, Fradinho MJ, Jansson A, Julliand V, Luthersson N, Santos AS, Vervuert I (2017): Review: Feeding conserved forage to horses: recent advances and recommendations. Animal 11(6), 958–967.
  2. Severit M, Pruß C, Bunk L, Westendarp H (2024): Situationsanalyse zur Grobfutterversorgung von Pferden. Hochschule Osnabrück, Fachgebiet Tierernährung.
  3. Harris PA (2021): So what do we mean by forage? How much should be fed? European Equine Health & Nutrition Congress 2021, IVIS.
  4. National Research Council (2007): Nutrient Requirements of Horses, 6th Revised Edition. National Academies Press.
  5. BMELV (2009): Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten; zusammengefasst im Merkblatt Pferdehaltung des Landkreises Stade.
  6. Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH (2009): Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal 41(7), 625–630.
  7. Sykes BW, Hewetson M, Hepburn RJ, Luthersson N, Tamzali Y (2015): ECEIM Consensus Statement – Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(5), 1288–1299.
  8. Ellis AD, Fell M, Luck K, Gill L, Owen H, Briars H, Barfoot C, Harris P (2015): Effect of forage presentation on feed intake behaviour in stabled horses. Applied Animal Behaviour Science.
  9. Martinson K, Hathaway M, Glunk E: Horse weight loss: hay nets and limit-fed diets. University of Minnesota Extension.

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