Grundmineralisierung: Was dein Pferd wirklich zusätzlich braucht
Welche Lücken Heu lässt, wie viel ein Pferd wirklich braucht – und warum mehr nicht besser ist.
„Grundmineralisierung“ klingt nach einem Rundum-sorglos-Paket. Gemeint ist etwas viel Konkreteres: die Lücken zu schließen, die Heu und Gras in fast jedem Stall lassen, und nicht mehr. Wer weiß, wo diese Lücken liegen, füttert gezielter und oft günstiger.
Heu deckt Kalzium, Magnesium und Kalium meist gut, Kupfer, Zink und Selen dagegen oft nicht. Ein gutes Mineralfutter liefert vor allem diese Spurenelemente in einer Menge, die zur Ration passt, mit klarer Tagesdosis. Salz gehört immer dazu. Mehr ist nicht besser: Bei Selen liegen Bedarf und Überdosierung nah beieinander.
Was Grundmineralisierung bedeutet
Jedes Pferd braucht täglich Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor, Magnesium und Natrium sowie Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Selen und Mangan. Grundmineralisierung heißt, diesen Grundbedarf zu decken, unabhängig davon, ob ein Pferd Sport macht, alt ist oder ein besonderes Problem hat.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat die Bedarfswerte der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) zusammengestellt 1:
| Nährstoff | Bedarf pro Tag, 600-kg-Pferd (Erhaltung) |
|---|---|
| Kalzium | 20,1 g |
| Phosphor | 13,9 g |
| Natrium | 3,5 g |
| Kupfer | 119,5 mg |
| Zink | 505,4 mg |
| Selen | 1,2 mg |
Werte nach GfE 2014, zusammengestellt von der LfL Bayern 1. Bei den Spurenelementen gelten für arbeitende Pferde dieselben Werte.
Was im Heu steckt – und was fehlt
Heu ist die Basis jeder Ration und liefert viele Mineralstoffe in ausreichender Menge. Bei den Spurenelementen sieht es anders aus. In einer Untersuchung der Freien Universität Berlin deckten reine Heurationen den Bedarf an Phosphor, Kupfer, Mangan und Zink nicht 2. Selbst mit marktüblichen Ergänzungsfuttern blieben Kupfer und Zink oft unter der Empfehlung, während andere Stoffe wie Eisen weit über dem Bedarf lagen 2.
Auch Selen ist in hiesigem Grundfutter häufig knapp. In Winterfutterproben aus Nordrhein-Westfalen lag Selen bei 71 Prozent der Betriebe unter 0,1 mg je kg Trockenmasse, Kupfer bei 75 Prozent unter 10 mg je kg 3. Die Proben stammen aus Rinderbetrieben, zeigen aber, wie selen- und kupferarm Grundfutter in Deutschland oft ist.
Die typischen Lücken sind Kupfer, Zink und Selen, nicht Kalzium oder Magnesium.
Was Heu liefert – und was fehlt
Kalzium und Phosphor im richtigen Verhältnis
Für erwachsene Pferde empfiehlt die LfL ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 1,5 bis 2 zu 1 1. Dieses Verhältnis gilt für die gesamte Ration, nicht für das Mineralfutter allein. Ein Mineralfutter muss also zum Heu passen: Liefert das Heu viel Kalzium, darf das Mineralfutter weniger enthalten, und umgekehrt. Ohne Heuanalyse lässt sich das nur grob abschätzen.
Salz nicht vergessen
Natrium und Chlorid sind im Heu kaum enthalten. Pferde verlieren sie vor allem über den Schweiß. Schweiß enthält rund 3,1 g Natrium und 5,3 g Chlorid pro Liter, bei schwerer Arbeit können in ein bis zwei Stunden über 30 g Kochsalz verloren gehen 4.
Viele Halter verlassen sich auf den Leckstein. Doch wie viel Salz Pferde freiwillig aufnehmen, schwankt stark: zwischen 19 und 134 g am Tag 4. Ein Leckstein ist deshalb ein gutes Angebot, aber keine Garantie. Bei starkem Schwitzen empfiehlt die LfL zusätzlich Viehsalz über das Futter 1.
Zu viel ist auch ein Risiko
Bei Spurenelementen gilt nicht „viel hilft viel“. Besonders bei Selen liegen Bedarf und Überdosierung nah beieinander. Die EU erlaubt höchstens 0,5 mg Selen je kg Alleinfutter 5. Die LfL beschreibt Selen bei Überdosierung als schnell giftig 1. Für ruhende erwachsene Pferde bringt Selen über 0,1 mg je kg Ration laut Merck Veterinary Manual keinen zusätzlichen Nutzen 4.
Das Risiko entsteht meist durch Doppelversorgung: ein Mineralfutter, dazu ein mineralisiertes Müsli und noch ein Spezialprodukt. Wer mehrere Futter kombiniert, sollte die Selenmengen aller Produkte pro Tag zusammenrechnen. Das gilt auch für Jod, das bei tragenden Stuten schon ab 40 mg am Tag problematisch werden kann 4.
Woran du ein gutes Mineralfutter erkennst
Ein passendes Mineralfutter musst du nicht nach Marke, sondern nach Etikett auswählen:
- Gehalte je Tagesration, nicht nur je kg Futter. Nur so kannst du sie mit dem Bedarf vergleichen.
- Kupfer, Zink und Selen in einer Menge, die die Lücken im Heu schließt, ohne weit darüber zu liegen.
- Kalzium und Phosphor passend zur Ration, nicht pauschal hoch.
- Tagesdosis nach Körpergewicht, damit Pony und Warmblut nicht dieselbe Menge bekommen.
- Keine unnötigen Füllstoffe wie Melasse oder Getreide, wenn sie für die Akzeptanz nicht nötig sind.
Checkliste: Passt deine Grundmineralisierung?
- Ration bekannt, idealerweise mit Heuanalyse
- Mineralfutter-Gehalte je Tagesdosis mit dem Bedarf verglichen
- Kupfer, Zink und Selen abgedeckt
- Kalzium-Phosphor-Verhältnis der Gesamtration zwischen 1,5 und 2 zu 1
- Salz frei verfügbar, bei Schweiß zusätzlich
- Selen- und Jodmengen aller Futter zusammengerechnet
Quellen
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2024): Gruber Tabelle zur Pferdefütterung, 9. Auflage, Tab. 18–20 (Werte nach GfE 2014).
- Saliu EM, Ebersbach L, Grześkowiak Ł, Zentek J (2022): Deklarierte und analysierte Mineralstoffkonzentrationen in 19 marktüblichen Ergänzungsfuttermitteln für Pferde. Pferdeheilkunde 38(1), 45–54.
- Leisen E, Heimberg P (Landwirtschaftskammer NRW): Spurenelementversorgung von Grundfutter und Rindern in Ökobetrieben (Daten 2004/05).
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses.
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/49 zur Zulassung von Selenverbindungen als Futtermittelzusatzstoffe.
- Troschke S (2009): Die Versorgung des Pferdes mit Kupfer und Selen. Vetmeduni Wien (Hintergrund zu typischen Heugehalten).