Raufutter, Kraftfutter, Mineralfutter: Die Grundration einfach erklärt
Drei Bausteine, eine Reihenfolge – und warum Kraftfutter seltener nötig ist, als viele denken.
In vielen Ställen ist die Ration über Jahre gewachsen: hier ein Eimer Müsli, dort ein Mineralfutter, dazu Heu nach Gefühl. Dabei folgt eine gute Grundration einer klaren Logik. Wer sie kennt, kann jede Ration in wenigen Minuten prüfen.
Raufutter ist die Basis: mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht am Tag. Kraftfutter brauchen vor allem Pferde mit mittlerer bis schwerer Arbeit, und dann in kleinen Portionen mit höchstens rund 1 g Stärke je kg Körpergewicht pro Mahlzeit. Ein Mineralfutter schließt vor allem die Lücken bei Spurenelementen.
Baustein 1: Raufutter zuerst
Heu, Heulage und Gras sind das Fundament jeder Ration. Ein internationales Team von Fütterungswissenschaftlerinnen empfiehlt für gesunde Pferde mindestens 1,5 kg Trockenmasse aus Raufutter je 100 kg Körpergewicht pro Tag, am besten zur freien Aufnahme 1. Selbst Pferde im intensiven Sport sollten nicht unter 1,25 kg je 100 kg fallen, und auch in einer Diät gilt 1 kg als Untergrenze 2.
Für ein 600-kg-Pferd bedeutet das mindestens 9 kg Trockenmasse, bei normalem Heu also gut 10 kg am Tag. Raufutter liefert nicht nur Energie und Faser, es beschäftigt das Pferd über viele Stunden und sorgt für Speichel, der die Magensäure puffert.
Kraftfutter kann Heu ergänzen, aber nie ersetzen.
Wie viel Energie braucht dein Pferd?
Ob Heu allein reicht, hängt vom Energiebedarf ab. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat die Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) in Tabellen übersetzt 5:
| Körpergewicht | Erhaltung | leichte Arbeit | mittlere Arbeit | schwere Arbeit |
|---|---|---|---|---|
| 500 kg | 53,8 MJ | 66,1 MJ | 79,8 MJ | 99,8 MJ |
| 600 kg | 61,9 MJ | 76,6 MJ | 92,8 MJ | 116,6 MJ |
Umsetzbare Energie pro Tag nach GfE 2014 5.
Leichte Arbeit heißt laut LfL etwa eine Stunde Bahnarbeit oder drei Stunden Schritt am Tag, mittlere Arbeit rund zwei Stunden Bahnarbeit, schwere Arbeit mehrstündige Belastung oder Arbeit mit Galoppanteil 5. Die meisten Freizeitpferde liegen damit zwischen Erhaltung und leichter Arbeit.
Die LfL weist ausdrücklich darauf hin, dass erwachsene Pferde ohne nennenswerte Leistung oft überversorgt sind 5. Gutes Heu deckt den Erhaltungsbedarf häufig schon allein. Ob das bei deinem Heu so ist, zeigt eine Heuanalyse: Sie verrät Energie-, Eiweiß- und Zuckergehalt.
Die Rationspyramide
Baustein 2: Kraftfutter nur, wenn es nötig ist
Kraftfutter wie Hafer, Gerste, Müsli oder Pellets liefert viel Energie auf wenig Volumen. Das ist sinnvoll, wenn ein Pferd mehr leistet, als das Heu hergibt, oder wenn es trotz guter Heuversorgung abnimmt. Es hat aber einen Haken: die Stärke.
In einer dänischen Studie mit 201 Pferden, die nicht im Rennsport trainiert wurden, stieg das Risiko für Veränderungen der Magenschleimhaut, wenn die Pferde mehr als 1 g Stärke je kg Körpergewicht pro Mahlzeit oder mehr als 2 g pro Tag bekamen 3. Eine Untersuchung zur Blutzucker- und Insulinreaktion kommt auf eine ähnliche Grenze von unter 1,1 g Stärke je kg pro Mahlzeit 4.
Für ein 600-kg-Pferd heißt das: höchstens rund 600 g Stärke je Mahlzeit. Wie viel Kraftfutter das ist, hängt vom Stärkegehalt auf dem Etikett ab.
Auch die Reihenfolge zählt. In einer Befragung der Hochschule Osnabrück unter gut 1.000 Pferdehalterinnen und -haltern berichteten 29 Prozent von Magenproblemen, wenn das Kraftfutter vor dem Raufutter kam. Ohne Kraftfutter waren es 17 Prozent 6. Das ist eine Befragung und kein Beweis für Ursache und Wirkung, passt aber zur gut belegten Empfehlung, Kraftfutter in mehreren kleinen Portionen zu geben 5.
So setzt du das um:
- Erst Heu, dann Kraftfutter. Eine Portion Heu vor der Kraftfuttergabe ist schnell organisiert.
- Mehrere kleine Gaben. Lieber drei kleine als zwei große Portionen.
- Stärkegehalt prüfen. Er steht auf dem Etikett oder ist beim Hersteller erfragbar.
Baustein 3: Mineralfutter und Salz
Heu und Gras liefern viel, aber nicht alles. Bei raufutterreichen Rationen sind die Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor und Magnesium meist gedeckt, wenn zusätzlich Salz frei angeboten wird 7. Die eigentlichen Lücken liegen bei den Spurenelementen, vor allem bei Kupfer, Zink und Selen. Was das konkret heißt und woran du ein passendes Mineralfutter erkennst, liest du im Artikel zur Grundmineralisierung.
Wichtig ist: Mineralfutter ergänzt das Heu, es ersetzt keinen der anderen Bausteine. Und wer Kraftfutter mit zugesetzten Mineralien füttert, sollte die Mengen zusammenrechnen, bevor ein weiteres Produkt dazukommt.
Zwei Beispiele
Freizeitpferd, 550 kg, leichte Arbeit: Heu zur freien Aufnahme oder mindestens rund 9,6 kg am Tag, ein Mineralfutter passend zur Ration, Salz frei verfügbar. Kraftfutter nur, wenn das Pferd trotz ausreichend Heu abnimmt.
Sportpferd, 600 kg, mittlere bis schwere Arbeit: mindestens 1,25 kg Trockenmasse Raufutter je 100 kg, besser mehr 2. Dazu Kraftfutter nach Bedarf, verteilt auf mehrere Mahlzeiten mit jeweils höchstens rund 600 g Stärke, Mineralfutter und Salz, bei starkem Schwitzen mehr Salz 5.
Checkliste: Stimmt deine Grundration?
- Mindestens 1,5 kg Trockenmasse Raufutter je 100 kg Körpergewicht
- Arbeitspensum ehrlich eingeschätzt (Erhaltung, leicht, mittel, schwer)
- Kraftfutter nur bei Bedarf, höchstens rund 1 g Stärke je kg pro Mahlzeit
- Heu vor dem Kraftfutter, mehrere kleine Portionen
- Mineralfutter passend zur Ration, keine Doppelungen
- Salz frei verfügbar
- Heuanalyse gemacht oder geplant
Quellen
- Harris PA, Ellis AD, Fradinho MJ, Jansson A, Julliand V, Luthersson N, Santos AS, Vervuert I (2017): Review: Feeding conserved forage to horses: recent advances and recommendations. Animal 11(6), 958–967.
- Harris PA: So what do we mean by forage? How much should be fed? European Equine Health & Nutrition Congress 2021, IVIS.
- Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH (2009): Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal 41(7), 625–630.
- Vervuert I, Voigt K, Hollands T, Cuddeford D, Coenen M (2009): Effect of feeding increasing quantities of starch on glycaemic and insulinaemic responses in healthy horses. The Veterinary Journal 182(1), 67–72.
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2024): Gruber Tabelle zur Pferdefütterung, 9. Auflage (Werte nach GfE 2014).
- Severit M, Pruß C, Bunk L, Westendarp H: Situationsanalyse zur Grobfutterversorgung von Pferden. Hochschule Osnabrück, Fachgebiet Tierernährung.
- Tierärztliche Hochschule Hannover, Dissertation: Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen einer unterschiedlichen Mengenelementversorgung auf den Mineralstoffhaushalt von Pferden (Autor und Jahr vor Veröffentlichung nachtragen).